Ein saudischer Eingriff in Syrien wäre riskant

Die Ankündigung des saudischen Brigadegenerals Ahmad al-Asiri, das Königreich sei bereit, an Operationen der internationalen Koalition gegen den I.S. auch mit Bodentruppen teilzunehmen, erfolgt in einer Zeit, in der wieder ein wenig Bewegung in den Syrien-Konflikt gekommen ist. Nicht nur, dass jetzt Verhandlungen beginnen sollen (wenngleich kaum ein Grund zum Optimismus besteht, was deren Ausgang betrifft), Angaben der von den USA angeführten Militärkoalition zufolge habe da’ish ca. 28.000 Kämpfer aufgrund der Luftschläge verloren. Die Anzahl aktiver Kombattanten liegt einem Bericht aus US-Geheimdienstkreisen zufolge bei 20.000 bis 25.000 anstatt, wie noch vor über einem Jahr, bei 19.000 bis 31.000.

“The kingdom is ready to participate in any ground operations that the coalition (against Isis) may agree to carry out in Syria,” said military spokesman Brigadier General Ahmed al-Asiri during an interview with al-Arabiya TV news.

Auch intensivieren Russland und die syrische Regierung ihre Angriffe auf die Stadt Aleppo, die als Rebellenhochburg gilt. Das bedeutet vor allem, dass sich der Kreis um Aleppo nun immer enger zieht, was bereits für eine massive Fluchtbewegung in Richtung türkischer Grenze gesorgt hat – die Ankara allerdings bereits geschlossen hat. Aleppo soll die Verhandler der Opposition in den Genfer Gesprächen unterminieren.

Die syrische Opposition stärken

Es ist also verständlich, dass sich Saudi-Arabien verstärkt in diese Gleichung einbringen möchte, da das Königreich seit Jahren die Gegner des syrischen Präsidenten Assad unterstützt. Anstatt aber selbst in Syrien aktiv zu werden, signalisiert Riyad die Bereitschaft, die Koalition auch mit Bodentruppen zu unterstützen – ein Zug, der in zweifacher Hinsicht Sinn ergibt. Erstens werfen Kritiker der internationalen Koalition immer wieder vor, dass Luftschläge unpräzise seien und dem I.S. längerfristig nicht Einhalt gebieten können. Der saudische Vorschlag scheint also vernünftig. Zweitens signalisieren die Saudis damit erneut, rigoros gegen Terrorgruppen vorgehen zu wollen, um Vorwürfen, sie würden jihadistische Gruppen finanzieren, entgegenzuwirken.

Der eigentliche Grund für diese Ankündigung liegt allerdings darin, die Chancen für die syrische Opposition ein wenig zu erhöhen bzw. auszugleichen. Das ist mit einem direkten Engagement in Syrien wesentlich einfacher; logistische Hilfe und etwaige Schützenhilfe wäre dann gleich vor Ort, wenn ein Kampf gegen Assad auch nur inoffiziell geführt werden könnte. Immerhin ist Russland auch deshalb in Syrien, um dem Regime gegen da’ish beizustehen. Nein, Saudi-Arabien fürchtet eine Schwächung der oppositionellen Gruppen durch die syrisch-russische Allianz.

Kein Krieg an allen Fronten

Aber die Ankündigung, sich auch ein direkteres Eingreifen in Syrien mit Bodentruppen vorstellen zu können, hat wenig Substanz. Auch das Königreich kann nicht an beliebig vielen Fronten Krieg führen, insbesondere nicht in einer Zeit der Ölpreiskrise. Wenngleich das saudische Militär als eines der schlagkräftigsten der Region gilt, muss ein solcher Einsatz nicht nur bezahlt werden, er erfordert auch einiges an Ressourcen. Hinzu kommt, dass sich Riyad bereits im Jemen mit Bodentruppen engagiert – ein Konflikt, der nicht zu gewinnen ist. Bodentruppen nach Syrien zu entsenden würde also erfordern, sich teilweise aus dem Jemen zurückzuziehen, den Einsatz in Syrien kleinflächig zu halten, oder schweren ökonomischen Schaden in Kauf zu nehmen. Das bedeutet keineswegs, dass sich Saudi-Arabien von einem Einsatz abschrecken lässt. Dafür ist die königliche Außenpolitik in letzter Zeit viel zu aggressiv.

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