Die Verlierer sind in Syrien

Die gegenwärtige diplomatische Krise zwischen Saudi-Arabien und dem Iran kann definitiv noch weitreichende Konsequenzen haben, vor allem im Hinblick auf den Syrischen Bürgerkrieg. Dem Beispiel Saudi-Arabiens sind nunmehr auch Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate gefolgt, die ebenfalls den iranischen Botschafter ausgewiesen bzw. ihre Vertretung auf ein Personalminimum reduziert haben. Da die Syrien-Verhandlungen sehr bald, bereits am 25. Jänner, beginnen werden, stehen die Chancen recht gut, dass sich die Beziehungen zwischen Riyad und Teheran bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht normalisiert haben werden. Saudi-Arabien wird dieser Schritt kaum helfen, eher im Gegenteil, doch auch der Iran kann sich eine solche regionale Isolierung nicht wünschen. Im schlimmsten Fall bleiben die diplomatischen Vertretungen geschlossen und die saudisch-iranischen Konflikte werden weiter angeheizt.

Das bedeutet konkret, dass, ändert sich diese Situation nicht radikal, eine etwaige Einigung in der Syrien-Frage vom Tisch ist. Der Syrische Bürgerkrieg ist nämlich nicht einfach nur ein Konflikt zwischen Bashar al-Assad und der Opposition, sondern, nach mittlerweile fast fünf Jahren Krieg, ein Konflikt entlang aller möglichen Bruchlinien. Assad gegen die Opposition, die Russische Föderation gegen die Vereinigten Staaten, die internationale Gemeinschaft gegen die Islamisten und nicht zuletzt Saudi-Arabien gegen den Iran. Dies hat machtpolitische Gründe; nicht nur, dass in einem imaginierten Kampf um die Vorherrschaft in der Arabischen Welt Syrien eine Schlüsselposition einnimmt und die Präsidentschaft von einem mit Teheran verbündeten Alawiten eingenommen wird, Syriens Lage ist geopolitisch-strategisch bedeutend. Nicht nur, dass es an den Irak, Jordanien, Israel, den Libanon und die Türkei grenzt, es befindet sich auch in geografischer Nähe zu Saudi-Arabien.

Gründe lassen sich also genug dafür finden, dass die Saudis eher die Opposition finanziell und militärisch unterstützen, während die Iraner versuchen, Bashar al-Assad an der Macht zu halten. Das ist aber auch einer der Gründe dafür, weshalb sich nicht nur die USA und Russland auf einen gemeinsamen Nenner verständigen müssen, um den Bürgerkrieg beenden zu können. Ohne die Regionalmächte, und der Iran gehört schlicht und ergreifend dazu, kann es keine vernünftige Lösung geben, mit der beide Seiten zufrieden sein können. Es ist ohnehin fraglich, ob die Fronten für eine Einigung nicht bereits zu sehr verhärtet sind, doch den Iran von den Verhandlungen auszuschließen, kann nicht funktionieren. Folgerichtig nimmt der iranische Außenminister Javad Zarif an den Syrien-Verhandlungen in Wien teil. Eskaliert nun die Situation zwischen Riyad und Teheran weiter, haben Gespräche, insbesondere in einer so sensiblen Materie, keine Chance.

Das kann aber weder der internationalen Gemeinschaft, noch den Verhandlern recht sein. Entweder also wird der Iran von den Gesprächen wieder ausgeladen, wie bereits 2014 bei Genf II geschehen, oder die Verhandlungen werden zur Farce degradiert. Die Alternative wird Saudi-Arabien, das in letzter Zeit eher auf Konfrontation und auf starke Signalpolitik setzt, nicht gefallen: Zurückrudern. Hier wären die Vereinigten Staaten gefragt, Druck auf seinen Verbündeten auszuüben und damit wären sie gut beraten. Denn allmählich wird Riyad zu einem schlechten, weil unberechenbaren Alliierten, der allerlei Konflikte vom Zaun bricht.

Letzten Endes kann niemand bei dieser verantwortungslosen und impulsiven saudischen Politik gegenüber dem Iran gewinnen. Saudi-Arabien engagiert sich in Konflikten, die es nicht gewinnen kann, wie im Jemen. Der Iran wird regionalpolitisch isoliert, anstatt nach dem Atomdeal auf Augenhöhe auf die internationale Ebene zurückzukehren. Die USA verlassen sich auf einen immer unzuverlässigeren Partner. Die internationale Gemeinschaft wird in Fragen, welche die regionalen Mächte des Nahen Ostens betreffen, total gelähmt werden. Doch die größten Verlierer dieses neu aufgeflammten saudisch-iranischen Konflikts sind in den Konfliktgebieten zu suchen. Dort wäre eine Kooperation zwischen Riyad und Teheran unbedingt notwendig, um die Konflikte zu beenden, die überhaupt erst durch den Kalten Krieg zwischen diesen beiden Staaten entstanden oder erst so ausgeufert sind. Die Verlierer dieses Konflikts befinden sich in Syrien und im Jemen.

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