Nachruf: Muhammad Mursi

Der 2013 gestürzte, ehemalige Staatspräsident Ägyptens Muhammad Mursi verstarb im Alter von 67 Jahren im Gewahrsam der ägyptischen Behörden.

Der erste frei gewählte Staatspräsident der Arabischen Republik Ägypten, Muhammad Mursi, starb gestern, Sonntag, im Alter von 67 Jahren. Mursi war während einer gerichtlichen Anhörung bewusstlos zusammengebrochen und anschließend im Spital verstorben. Er hatte sich einer Anklage wegen angeblicher Spionage gegenübergesehen, nachdem das Militär unter Führung des derzeitigen Machthabers, Abdel Fattah as-Sisi, 2013 gegen seine Präsidentschaft geputscht hatte.

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Muhammad Mursi kam bereits recht früh mit der Muslimbruderschaft in Kontakt. Offiziell war er 1979 beigetreten und stieg rasch in die oberste Führungsriege der Organisation auf. Seit den 1990er Jahren diente er der Muslimbruderschaft, deren unabhängige Kandidaten bei Parlamentswahlen antreten durften, als Chefstratege. Als nach dem Arabischen Frühling 2011 die Muslimbruderschaft die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei gründete, wurde Mursi deren Vorsitzender. 2012 wurde er zum Präsidenten gewählt. Nach umfangreichen Protesten gegen seinen zusehends autokratischen Führungsstil und gegen die Politik der Machtkonsolidierung der Muslimbrüder wurde er von der Armeeführung abgesetzt, Proteste seiner Unterstützer blutig niedergeschlagen.

Dem Regime wird nunmehr vorgeworfen, den Tod des ehemaligen Präsidenten bewusst in Kauf genommen zu haben. Kritik erfolgte sowohl von der Familie Mursis als auch durch Amnesty International. Internationale Rufe seitens der UN, die eine unabhängige Untersuchung forderten, wiesen die ägyptischen Behörden zurück; Mursis Tod solle nicht „politisiert“ werden.

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